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Fachbeitrag

Alterssichtigkeit korrigieren: Wann ist ein Laser sinnvoller und wann eine neue Linse?

Die Lesebrille ist für viele Menschen ab 40 ein ständiger Begleiter. Dr. med. Georg Gerten gab beim Siegburger Augensymposium 2026 einen detaillierten Einblick, wann eine Laserbehandlung die richtige Wahl ist – und wann der Austausch der natürlichen Linse die bessere Alternative darstellt.

5. März 2026 9 Min. Lesezeit MVZ Perfektes Sehen

Die Buchstaben auf dem Smartphone verschwimmen, die Speisekarte wird zur Herausforderung – fast jeder kennt die ersten Anzeichen der Alterssichtigkeit (Presbyopie). Dieser natürliche Alterungsprozess der Augenlinse, bei dem sie an Elastizität verliert, macht das Scharfstellen in der Nähe zunehmend schwieriger. Während die Lesebrille eine einfache Lösung ist, empfinden viele sie im Alltag als Belastung.

Für diese Menschen gibt es heute fortschrittliche operative Möglichkeiten. Doch welche ist die richtige? In seinem Vortrag beim Siegburger Augensymposium 2026 erklärte Dr. Georg Gerten, dass die Entscheidung zwischen einem Laserverfahren und einem Linsenaustausch von mehreren, sehr individuellen Faktoren abhängt.

Dr. Georg Gerten beim Siegburger Augensymposium 2026 – Vortrag über Presbyopie und Fehlsichtigkeit
Dr. Georg Gerten beim Siegburger Augensymposium 2026

Nicht für jeden ist alles geeignet: Die entscheidenden Faktoren

Wer die Lesebrille als störend empfindet, findet heute verschiedene Möglichkeiten, die Abhängigkeit von ihr zu reduzieren. Grob lassen sich zwei operative Ansätze unterscheiden: Verfahren, die an der Hornhaut ansetzen (Laser) und Verfahren, bei denen die natürliche Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Ein gutes Ergebnis hängt vor allem davon ab, ob das gewählte Verfahren zum Patienten und seinem Alltag passt. Drei Faktoren sind hierbei von entscheidender Bedeutung:

1. Der persönliche Bedarf im Alltag

Wie stark stört die Lesebrille wirklich? Wer sie nur gelegentlich für den kurzen Blick in die Zeitung benötigt, kann oft noch abwarten. Wer aber bei handwerklichen Tätigkeiten, am Arbeitsplatz oder bei Hobbys ständig eingeschränkt ist, für den kann ein Eingriff sinnvoll sein.

2. Die persönliche Erwartungshaltung

Der Wunsch nach Brillenunabhängigkeit ist ein starker Motor. Wichtig ist dabei, realistisch zu bleiben. Moderne Verfahren zielen auf eine hohe Brillenunabhängigkeit ab, aber nicht zwingend auf eine vollständige Brillenfreiheit in absolut jeder Situation. Mögliche Begleiterscheinungen, wie eine veränderte Wahrnehmung von Lichtquellen bei Nacht (Halos), müssen im Vorfeld besprochen werden.

3. Die persönliche Kompromiss- und Anpassungsbereitschaft

Das Sehen nach einem Eingriff ist nicht immer wie mit 18 Jahren. Je nach Verfahren kann es Situationen geben, in denen man bei sehr kleiner Schrift oder schwachem Licht weiterhin eine leichte Lesehilfe benötigt. Zudem braucht das Gehirn oft eine gewisse Gewöhnungsphase, bis sich das neue Sehen wieder ganz natürlich anfühlt.

Die PresbyLASIK: Hornhautlaser bei früher Alterssichtigkeit

Bei der PresbyLASIK verbleibt die natürliche Linse im Auge. Ein Laser formt die Hornhaut so um, dass die Schärfentiefe erweitert wird und der Nah-, Zwischen- und Fernbereich besser abgedeckt werden. Dieses Verfahren eignet sich besonders, wenn die Alterssichtigkeit noch nicht zu stark ausgeprägt ist und noch kein Grauer Star vorliegt. Zudem müssen die anatomischen Voraussetzungen der Hornhaut (Dicke, Form) stimmen.

Das Verfahren basiert oft auf dem Prinzip der „kontrollierten Monovision", bei dem ein Auge für die Ferne und das andere für die Nähe optimiert wird. Das Gehirn lernt, diese beiden Seheindrücke zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Ob dieses Prinzip für einen Patienten angenehm ist, wird vorab ausführlich besprochen und kann getestet werden.

Der Refraktive Linsenaustausch (RLE): Wenn die Linse ersetzt wird

Wenn ein Laserverfahren nicht (mehr) sinnvoll ist – etwa weil die Fehlsichtigkeit zu stark ist, die Hornhaut ungeeignet ist oder die natürliche Linse bereits erste Trübungen (Grauer Star) zeigt – kommt der refraktive Linsenaustausch (RLE) in Betracht. Hierbei wird die körpereigene Linse durch eine moderne Kunstlinse (Intraokularlinse, IOL) ersetzt.

Der große Vorteil: Ein Grauer Star kann danach nicht mehr entstehen. Der Eingriff ist eine endgültige Lösung. Welche Sicht nach der Operation möglich ist, hängt stark vom gewählten Linsentyp ab:

Monofokale Linsen:Bieten eine exzellente Sehqualität für eine Entfernung (meist die Ferne). Für die Nähe wird weiterhin eine Lesebrille benötigt.
Multifokal- oder Trifokallinsen:Ermöglichen scharfes Sehen in mehreren Bereichen (Ferne, Mitte, Nähe) und können die Brillenabhängigkeit drastisch reduzieren.
EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus):Schaffen einen fließenden, erweiterten Sehbereich von der Ferne bis in den Zwischenbereich, was oft als sehr natürlich empfunden wird. Für sehr kleine Schrift kann eine Lesehilfe nötig bleiben.

Wie Dr. Gerten in seinem Vortrag eindrucksvoll darlegte, ist die Entwicklung bei den Intraokularlinsen in den letzten Jahren rasant vorangeschritten. Moderne Linsen mit innovativen Optiken reduzieren störende Lichteffekte erheblich und ermöglichen durch „Mix & Match"-Strategien eine hochgradig individualisierte Versorgung, die passgenau auf den Alltag des Patienten zugeschnitten ist.

Video: Vortrag von Dr. Gerten beim Augensymposium

Vollständiger Vortrag: Presbyopie und Fehlsichtigkeit – Wann Laser, wann RLE, wann „Finger davon"?

Laser oder Linse – Was ist das Richtige für mich?

Die Entscheidung zwischen Laser und Linse ist keine Frage von „besser" oder „schlechter", sondern von „passend" oder „unpassend". Beide Verfahren sind, so das klare Fazit von Dr. Gerten, bei der richtigen Patientenauswahl und nach einer umfassenden Aufklärung hervorragende und sichere Methoden. Sie ergänzen sich perfekt und decken gemeinsam ein breites Spektrum an Bedürfnissen ab.

MerkmalPresbyLASIKRefraktiver Linsenaustausch (RLE)
Ideale Zielgruppe„Junge“ Alterssichtige (ca. 45–55 J.) mit leichter bis moderater FehlsichtigkeitPatienten ab ca. 55 Jahren, stärkere Fehlsichtigkeit, beginnender Grauer Star
VerfahrenLaser moduliert die HornhautNatürliche Linse wird durch eine Kunstlinse (IOL) ersetzt
Wesentliche VorteileSehr schonend, schnelle Erholung, hohe Erfolgsquote (>90 %)Endgültige Lösung, korrigiert auch Grauen Star, modernste Linsentechnologie
BesonderheitenReversibel und anpassbar„Mix & Match“ von Linsen, Add-On-Linsen möglich

Zusammenfassende Orientierung

Abwarten ist oft sinnvoll, wenn die Lesebrille nur selten stört.

Die PresbyLASIK ist eine Option, wenn die Alterssichtigkeit noch „frisch" ist, die Linse klar ist und die Hornhaut geeignet ist.

Der Refraktive Linsenaustausch (RLE) rückt in den Vordergrund, wenn ein Laser nicht sinnvoll ist oder bereits eine Linsentrübung vorliegt.

In allen Fällen gilt: Die beste Entscheidung ergibt sich aus dem Augenbefund, dem Alltag, den Erwartungen und der Kompromissbereitschaft – idealerweise nach einer ausführlichen Untersuchung und einem ehrlichen Beratungsgespräch.

Der Weg zu einem Leben ohne Lesebrille beginnt immer mit einer gründlichen augenärztlichen Untersuchung. Nur so kann die für Sie individuell beste und sicherste Methode gefunden werden.

Welche Möglichkeit ist die richtige für Sie?

Fühlen Sie sich angesprochen? Vereinbaren Sie gerne einen unverbindlichen Beratungstermin in unserem MVZ Perfektes Sehen. Unsere erfahrenen Spezialisten nehmen sich die Zeit, Ihre Augen umfassend zu untersuchen und gemeinsam mit Ihnen die optimale Lösung zu finden.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung oder Untersuchung. Die dargestellten Informationen basieren auf dem Vortrag von Dr. med. Georg Gerten beim Siegburger Augensymposium 2026. Stand: März 2026.