
Der Urlaub steht vor der Tür, die Koffer sind gepackt, aber die alte Sonnenbrille ist unauffindbar oder völlig zerkratzt. Oft greifen wir dann spontan zu einem günstigen Modell am Strand oder im Supermarkt. Doch schützt eine preiswerte Brille die Augen genauso zuverlässig vor schädlicher Sonnenstrahlung wie ein teures Modell?
Dieser Frage ging der Radiosender WDR 2 in einem Service-Beitrag nach und holte sich dafür fachlichen Rat bei Dr. Georg Gerten. Die überraschende und zugleich beruhigende Antwort vorweg: Teuer ist nicht automatisch besser, solange bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllt sind.
Warum UV-Schutz für die Augen so wichtig ist
Sonnenlicht besteht nicht nur aus dem sichtbaren Licht, das uns blendet, sondern auch aus unsichtbarer ultravioletter Strahlung (UV-Strahlung). Während wir unsere Haut ganz selbstverständlich mit Sonnencreme schützen, vergessen wir oft, dass auch unsere Augen empfindlich auf UV-Licht reagieren.
Eine zu hohe UV-Belastung kann langfristig verschiedene Strukturen des Auges beeinträchtigen. So wird beispielsweise diskutiert, dass intensive Sonneneinstrahlung über Jahre hinweg die Entstehung eines Grauen Stars (Katarakt) begünstigen oder Veränderungen an der Netzhaut fördern kann. Eine Sonnenbrille mit ausreichendem UV-Schutz ist daher eine einfache und wirksame Maßnahme zur allgemeinen Vorsorge.
Die wichtigsten Prüfzeichen beim Kauf
Um sicherzugehen, dass eine Sonnenbrille die Augen zuverlässig schützt, genügen meist zwei kleine Blicke auf das Etikett oder die Innenseite der Bügel.
UV-400 Protection
Dieses kleine Schildchen oder dieser Aufdruck ist das wichtigste Qualitätsmerkmal. Es bedeutet, dass die Brille UV-Strahlen bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern blockiert. Damit sind die Augen vor den relevanten UV-A- und UV-B-Strahlen geschützt. Ob die Gläser dabei aus Glas oder aus Kunststoff bestehen, spielt für die Schutzwirkung keine Rolle.
CE-Zeichen
Mit diesem Zeichen erklärt der Hersteller, dass die Brille den europäischen Sicherheitsanforderungen entspricht. Das bedeutet, dass sie einen ausreichenden UV-Schutz bietet und die Gläser eine entsprechende Qualität aufweisen.
„Das Wichtigste ist natürlich, dass sie die Augen vor Sonnenstrahlung und möglichen Schäden gut schützt. In Europa kann man bedenkenlos auch eine günstige Sonnenbrille kaufen, weil ein ausreichender Schutz hier Vorschrift ist. Das erfüllen dann eben auch die günstigen Brillen aus dem Discounter mit dem CE-Zeichen."
Dr. med. Georg Gerten im WDR 2 Service-Beitrag
Der Mythos von der dunklen Tönung
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass besonders dunkle Gläser auch einen besonders guten UV-Schutz bieten. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Tönung der Gläser sagt ausschließlich etwas darüber aus, wie stark das sichtbare Licht gefiltert wird und wie sehr die Brille vor Blendung schützt. Mit dem unsichtbaren UV-Licht hat die Tönung nichts zu tun.
Im Gegenteil: Eine sehr dunkle Brille ohne ausreichenden UV-Schutz ist sogar gefährlicher als gar keine Brille. Hinter den dunklen Gläsern weiten sich die Pupillen, wodurch noch mehr schädliche UV-Strahlung ungehindert in das Auge eindringen kann.
Filterkategorien: Wie dunkel darf es sein?
Für den Blendschutz werden Sonnenbrillen in verschiedene Filterkategorien (oft mit „CAT" abgekürzt) eingeteilt. Diese finden sich meist auf der Innenseite der Bügel.
| Kategorie | Tönung | Geeignet für |
|---|---|---|
| CAT 0–1 | Sehr leicht | Bewölkte Tage, modisches Accessoire |
| CAT 2 | Mittel | Normaler Sommeralltag in unseren Breitengraden |
| CAT 3 | Dunkel | Strand, Berge, Wasser – ideal für den Urlaub |
| CAT 4 | Sehr dunkel | Gletscher, Hochsee – nicht zum Autofahren! |
Für den normalen Sommer und den Strandurlaub reicht eine Brille der Kategorie 2 oder 3 völlig aus, bestätigte Dr. Gerten im Radiobeitrag.
Hören Sie selbst: Der Beitrag auf WDR 2
Service-Beitrag mit Dr. Georg Gerten (ca. 2:40 Min.)
Verschleiß und Pflege: Wann eine neue Brille nötig ist
Auch wenn eine günstige Brille anfangs gut schützt, kann die Wirkung mit der Zeit nachlassen. Wenn die Brille häufig benutzt wird und viel starker Sonnenstrahlung ausgesetzt ist, altert das Material.
Besonders kritisch wird es, wenn die Gläser stark zerkratzt sind, vor allem direkt im Sichtfeld vor den Pupillen. Durch die Kratzer kann Streulicht ins Auge gelangen, und der Schutz ist nicht mehr vollständig gewährleistet. Bewahren Sie Ihre Sonnenbrille daher am besten immer in einem Etui auf, wenn Sie sie gerade nicht tragen. Wer sich unsicher ist, ob die alte Lieblingsbrille noch ausreichend schützt, kann die UV-Schutzwirkung jederzeit bei einem Optiker prüfen lassen.
Zusammenfassende Orientierung
Auf Zeichen achten: Achten Sie beim Kauf immer auf die Hinweise „UV-400" und das CE-Zeichen.
Preis ist zweitrangig: Auch günstige Brillen bieten in Europa in der Regel einen sicheren UV-Schutz, wenn sie die entsprechenden Prüfzeichen tragen.
Tönung nach Bedarf: Wählen Sie für den normalen Sommer und Urlaub eine Brille der Filterkategorie 2 oder 3.
Kratzer vermeiden: Bewahren Sie die Brille in einem Etui auf und tauschen Sie stark zerkratzte Modelle aus.
Haben Sie Fragen zu Ihrer Augengesundheit?
Eine gute Sonnenbrille ist ein wichtiger Baustein für gesunde Augen. Wenn Sie darüber hinaus Fragen zu Ihrer Sehkraft haben oder eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung wünschen, sind wir gerne für Sie da.
Weiterführende Informationen
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung oder Untersuchung. Die dargestellten Informationen basieren auf dem WDR 2 Service-Beitrag mit Dr. med. Georg Gerten. Stand: Juni 2026.

