Ein Blick auf das Straßenschild, und die Buchstaben wirken verzerrt oder haben einen leichten Schatten. Was viele Menschen zunächst auf müde Augen schieben, ist oft das Zusammenspiel von zwei weit verbreiteten Sehschwächen. Die natürliche Augenlinse trübt sich im Laufe des Lebens ein, was als Grauer Star (Katarakt) bekannt ist. Gleichzeitig führt eine ungleichmäßig gewölbte Hornhaut dazu, dass Lichtstrahlen nicht punktgenau auf der Netzhaut gebündelt werden. Diese Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) macht das Sehen zusätzlich unscharf.
Die gute Nachricht ist, dass Patienten heute nicht mehr zwei getrennte Behandlungen oder lebenslang eine dicke Brille benötigen. Mit modernen, sogenannten torischen Kunstlinsen lassen sich beide Probleme während der Routineoperation des Grauen Stars gleichzeitig beheben. Warum diese elegante Lösung noch immer viel zu selten genutzt wird und wie sicher das Verfahren heute ist, war das zentrale Thema der Keynote-Lecture von Dr. Georg Gerten auf dem DOC 2026 in Nürnberg.

Die Versorgungslücke: Warum viele Patienten eine Chance verpassen
Der Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie ist eines der wichtigsten Foren für Augenärzte in Europa. Vor einem voll besetzten Auditorium legte Dr. Gerten aktuelle Zahlen vor, die aufhorchen lassen. Rund 36 Prozent aller Patienten, die an einem Grauen Star operiert werden, haben eine relevante Hornhautverkrümmung von über einer Dioptrie. Doch nur etwa 7 bis 11 Prozent dieser Patienten erhalten bei dem Eingriff eine torische Linse, die diese Verkrümmung ausgleicht.
Das bedeutet, dass fast 30 Prozent der Betroffenen nach der Operation weiterhin auf eine Brille angewiesen sind, obwohl ein brillenfreies oder zumindest deutlich brillenunabhängigeres Sehen möglich gewesen wäre. Dr. Gerten erklärte, dass die Gründe dafür selten im Gesundheitssystem oder bei den Kosten liegen. Oft ist es die Zurückhaltung der behandelnden Ärzte, die den minimal höheren Aufwand bei der Messung und Ausrichtung der Speziallinsen scheuen.
Dabei sind die Auswirkungen einer unkorrigierten Hornhautverkrümmung enorm. Schon eine verbleibende Verkrümmung von einer Dioptrie führt zu einem spürbaren Verlust an Sehschärfe. Besonders kritisch wird es, wenn Patienten sich für Premiumlinsen (wie Multifokal- oder EDOF-Linsen) entscheiden, um auch ohne Lesebrille auszukommen. Hier stört bereits eine sehr geringe Hornhautverkrümmung den gewünschten Effekt erheblich.

Sicherheit durch die “torische Qualitätskette”
Um die Scheu vor der Implantation torischer Linsen zu nehmen, präsentierte Dr. Gerten in seinem Vortrag eine detaillierte “Qualitätskette”. Er zeigte auf, dass die Korrektur einer Hornhautverkrümmung heute ein hochpräziser und sicherer Prozess ist, wenn jeder einzelne Schritt sorgfältig durchgeführt wird.
Kerninhalte der Keynote auf einen Blick
Präzise Messung
Moderne optische Biometrie erfasst das Auge berührungslos und exakt. Wichtig ist dabei, auch die Rückfläche der Hornhaut in die Berechnung einzubeziehen, da diese das Endergebnis beeinflusst.
Exakte Markierung
Die Ausrichtung der Linse im Auge ist Millimeterarbeit. Dr. Gerten stellte einen neuen, in Entwicklung befindlichen Achsmarker vor, der das Anzeichnen der korrekten Achse auf dem Auge noch fehlerresistenter macht.
Stabilität im Auge
Die größte Sorge früherer Jahre war, dass sich die Linse nach der Operation im Auge verdrehen könnte. Historische Daten aus dem Jahr 2001 zeigten, dass sich damals fast ein Viertel der Linsen zu stark drehte. Heute liegt diese Rate dank moderner Linsendesigns und spezieller Operationstechniken bei unter fünf Prozent.
Digitale Unterstützung
Sollte eine Linse doch einmal nicht perfekt sitzen, lässt sie sich in den Wochen nach dem Eingriff schonend nachjustieren. Eine neu entwickelte Web-App (“Tori-Rechner”) hilft den Chirurgen dabei, die exakte Korrektur sofort zu berechnen.
Ein besonderer Abschluss: Auszeichnung für Dr. Gerten
Die Keynote war nicht der einzige Höhepunkt für das MVZ Perfektes-Sehen auf dem diesjährigen Kongress. Im Rahmen der Veranstaltung wurde Dr. Georg Gerten für seine langjährigen Verdienste und seine wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der refraktiven Chirurgie und der Kataraktbehandlung mit einem renommierten Fachpreis ausgezeichnet.
Die feierliche Übergabe auf der großen Bühne des Nürnberg Convention Centers unterstreicht den Anspruch unseres Zentrums, medizinische Innovationen nicht nur in der eigenen Praxis in Köln und Leverkusen anzuwenden, sondern die Augenheilkunde auch auf nationaler Ebene aktiv mitzugestalten.

Zusammenfassende Orientierung für Patienten
Ein Eingriff, zwei Lösungen: Wenn Sie am Grauen Star operiert werden müssen und gleichzeitig eine Hornhautverkrümmung haben, ist die torische Linse eine elegante Lösung für ein klares Sehen.
Hohe Sicherheit: Moderne Kunstlinsen sitzen extrem stabil im Auge. Die Angst vor einem Verrutschen der Linse ist durch heutige Operationstechniken unbegründet.
Beratung ist entscheidend: Sprechen Sie Ihren Augenarzt vor einer Grauer-Star-Operation aktiv auf Ihre Hornhautverkrümmung an und fragen Sie nach torischen Linsen.
Erfahrung zählt: Wählen Sie ein Zentrum, das routiniert mit Speziallinsen umgeht und über die modernste Messtechnik verfügt.
Der Weg zu einem klaren, ungetrübten Blick beginnt mit einer präzisen Diagnostik. Nur so kann die für Sie individuell beste und sicherste Linse gefunden werden.
Welche Möglichkeit ist die richtige für Sie?
Steht bei Ihnen eine Operation des Grauen Stars an oder möchten Sie Ihre Hornhautverkrümmung korrigieren lassen? Vereinbaren Sie gerne einen unverbindlichen Beratungstermin in unserem MVZ Perfektes-Sehen. Unsere erfahrenen Spezialisten nehmen sich die Zeit, Ihre Augen umfassend zu untersuchen und gemeinsam mit Ihnen die optimale Lösung zu finden.
Weiterführende Informationen
Auf unserer Website finden Sie weitere Informationen zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten:
- Grauer Star: Behandlung und Linsentypen im Überblick
- Hornhautverkrümmung (Astigmatismus): Ursachen und Korrektur
- Blogartikel: Grauer Star – Welche Linse passt zu mir?
- Forschung und Publikationen des MVZ Perfektes-Sehen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung oder Untersuchung. Die dargestellten Informationen basieren auf der Keynote-Lecture von Dr. med. Georg Gerten beim DOC 2026 in Nürnberg. Stand: Juni 2026.

