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Grauer Star OP: Welche Linse passt zu mir? Monofokal, EDOF und Multifokal im Vergleich

Bei der Kataraktoperation wird die getrübte Augenlinse durch eine Kunstlinse ersetzt. Doch welche Linse ist die richtige? Dieser Beitrag erklärt die Unterschiede zwischen Monofokal-, EDOF- und Multifokallinsen – wissenschaftlich fundiert und verständlich.

26. März 2026 15 Min. Lesezeit MVZ Perfektes Sehen

Der Graue Star (Katarakt) gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen weltweit. Allein in Deutschland werden jährlich rund 800.000 Kataraktoperationen durchgeführt – damit ist der Eingriff einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe überhaupt. Die Operation selbst ist heute ein hochstandardisiertes, ambulantes Verfahren, das in der Regel nur 15 bis 20 Minuten dauert und unter örtlicher Betäubung erfolgt.

Was viele Patienten vor der Operation am meisten beschäftigt, ist jedoch nicht der Eingriff selbst, sondern die Wahl der richtigen Kunstlinse (Intraokularlinse, IOL). Denn die Linse, die bei der Operation eingesetzt wird, bestimmt maßgeblich, wie Sie nach dem Eingriff sehen werden: Brauchen Sie weiterhin eine Brille? Können Sie auch in der Nähe lesen? Gibt es Einschränkungen beim Autofahren in der Dämmerung?

Dieser Beitrag erklärt die drei wichtigsten Linsentypen – Monofokallinse, EDOF-Linse und Multifokallinse – und hilft Ihnen, die Unterschiede zu verstehen. Alle Angaben basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien und der klinischen Erfahrung aus über 10.000 augenchirurgischen Eingriffen im MVZ Perfektes Sehen.

Das Grundprinzip: Was passiert bei der Kataraktoperation?

Bei der Kataraktoperation wird die getrübte natürliche Augenlinse entfernt und durch eine klare Kunstlinse (Intraokularlinse) ersetzt. Der Eingriff erfolgt über einen winzigen Schnitt von etwa 2 Millimetern am Rand der Hornhaut. Durch diese Öffnung wird die alte Linse mittels Ultraschall zerkleinert und abgesaugt – ein Verfahren, das als Phakoemulsifikation bezeichnet wird. Anschließend wird die gefaltete Kunstlinse durch dieselbe Öffnung eingeführt, wo sie sich im Kapselsack entfaltet und dauerhaft verbleibt.

Die Kunstlinse bleibt ein Leben lang im Auge und muss nicht ausgetauscht werden. Die entscheidende Frage ist daher: Welche optischen Eigenschaften soll diese Linse haben? Hier unterscheiden sich die drei Linsentypen grundlegend – und die Wahl hat direkte Auswirkungen auf Ihren Alltag nach der Operation.

Die Monofokallinse: Der bewährte Standard

Die Monofokallinse ist die am häufigsten eingesetzte Kunstlinse bei der Kataraktoperation und wird von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Wie der Name andeutet, hat sie einen einzigen Brennpunkt – sie ist also auf eine bestimmte Entfernung optimiert. In der Regel wird die Linse so berechnet, dass Sie in der Ferne scharf sehen können. Für das Lesen und Arbeiten in der Nähe benötigen Sie dann eine Lesebrille.

Moderne Monofokallinsen verfügen über eine asphärische Oberfläche und einen integrierten Blaulichtfilter, was die Kontrastwahrnehmung verbessert und die Netzhaut vor energiereichem Licht schützt. Studien zeigen, dass Patienten mit Monofokallinsen eine sehr gute Fernsicht erreichen und im Vergleich zu Multifokallinsen weniger optische Phänomene wie Halos oder Blendung berichten.[8]

Die Monofokallinse ist die richtige Wahl für Patienten, die eine zuverlässige, komplikationsarme Lösung für die Ferne wünschen und kein Problem damit haben, für die Nähe eine Lesebrille zu tragen.

Die EDOF-Linse: Erweiterte Schärfentiefe ohne Kompromisse

EDOF steht für „Extended Depth of Focus" – erweiterte Schärfentiefe. Diese Linsen erzeugen keinen zweiten oder dritten Brennpunkt wie Multifokallinsen, sondern verlängern den Bereich, in dem das Auge scharf sieht. Das Ergebnis: eine durchgängig gute Sehqualität von der Ferne bis in den Zwischenbereich (etwa 60 bis 80 cm – also Computerbildschirm, Armaturenbrett, Einkaufsregal).

Aktuelle Meta-Analysen bestätigen, dass EDOF-Linsen im Vergleich zu Monofokallinsen eine signifikant bessere Zwischensicht bieten, ohne die Fernsicht zu beeinträchtigen.[4] [5] Gleichzeitig treten optische Phänomene wie Halos und Blendung bei EDOF-Linsen deutlich seltener auf als bei Multifokallinsen.[1] Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die neueste Generation refraktiver EDOF-Linsen sogar eine klinisch relevante Verbesserung der Nahsicht erreicht, die sich der Leistung trifokaler Linsen annähert.[5]

Die EDOF-Linse ist eine ausgezeichnete Wahl für Patienten, die im Alltag möglichst selten zur Brille greifen möchten, aber Wert auf eine hohe Kontrastwahrnehmung und geringe optische Störeffekte legen. Für sehr feines Lesen (Beipackzettel, Kleingedrucktes) kann gelegentlich noch eine schwache Lesebrille hilfreich sein. Im MVZ Perfektes Sehen ist die EDOF-Linse ab ca. 1.800 Euro pro Auge als Komfortleistung verfügbar.

Die Multifokallinse: Sehen auf alle Entfernungen

Multifokallinsen (auch trifokale Linsen genannt) verfügen über mehrere Brennpunkte – typischerweise für die Ferne, den Zwischenbereich und die Nähe. Dadurch ermöglichen sie ein weitgehend brillenfreies Sehen in allen Alltagssituationen: Autofahren, Computerarbeit und Lesen.

Studien zeigen, dass Patienten mit Multifokallinsen eine signifikant höhere Gesamtzufriedenheit berichten als Patienten mit Monofokallinsen – auf einer 5-Punkte-Skala bewerteten Multifokal-Patienten ihre Zufriedenheit im Durchschnitt mit 4,3 gegenüber 3,5 bei Monofokal-Patienten.[3] Langzeitstudien bestätigen, dass die Zufriedenheit auch nach mehr als fünf Jahren stabil bleibt.[7]

Der Nachteil: Multifokallinsen teilen das einfallende Licht auf mehrere Brennpunkte auf. Das kann dazu führen, dass manche Patienten – insbesondere in den ersten Wochen nach der Operation – Halos (Lichtringe) um Lichtquellen oder eine leichte Blendempfindlichkeit wahrnehmen. Diese Phänomene nehmen in der Regel mit der Zeit ab, da sich das Gehirn an die neue Sehweise anpasst (neuronale Adaptation).[8]

Die Multifokallinse eignet sich besonders für Patienten mit dem klaren Wunsch nach maximaler Brillenunabhängigkeit, die bereit sind, eine gewisse Eingewöhnungsphase in Kauf zu nehmen. Voraussetzung ist ein ansonsten gesundes Auge ohne Makuladegeneration oder fortgeschrittenes Glaukom. Im MVZ Perfektes Sehen ist die Multifokallinse ab ca. 2.000 Euro pro Auge verfügbar.

Sonderfall: Hornhautverkrümmung und torische Linsen

Wenn neben dem Grauen Star auch eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vorliegt, kann diese mit einer sogenannten torischen Linse gleichzeitig korrigiert werden. Torische Varianten gibt es für alle drei Linsentypen – Monofokal, EDOF und Multifokal. Die torische Korrektur erfordert eine besonders präzise Vermessung und Positionierung der Linse im Auge, liefert aber in den Händen erfahrener Operateure hervorragende Ergebnisse. Im MVZ Perfektes Sehen liegt der Aufpreis für die torische Variante bei ca. 1.000 bis 1.500 Euro pro Auge. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Seite Hornhautverkrümmung.

Die drei Linsentypen im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Beachten Sie, dass die Angaben Durchschnittswerte darstellen – individuelle Ergebnisse können abweichen.

KriteriumMonofokalEDOFMultifokal
Brennpunkte1 (Ferne)Erweiterter Bereich2–3 (Ferne, Mitte, Nähe)
Fernsichtsehr gutsehr gutgut bis sehr gut
Zwischensicht (60–80 cm)eingeschränktgut bis sehr gutgut
Nahsicht (30–40 cm)Lesebrille nötiggelegentlich Lesebrillemeist brillenfrei
Halos / Blendungminimalgeringmöglich (meist vorübergehend)
Kontrastsehensehr gutgut bis sehr gutleicht reduziert
Brillenunabhängigkeitnur FerneFerne + MitteFerne + Mitte + Nähe
Eignung bei AMD / Glaukomjaeingeschränktnicht empfohlen
Kosten (ca. pro Auge)Kassenleistungab ca. 1.800 €ab ca. 2.000 €

Die Tabelle zeigt: Keine Linse ist in allen Kategorien überlegen. Die Monofokallinse bietet die beste Kontrastwahrnehmung und ist die sicherste Wahl bei Begleiterkrankungen. Die EDOF-Linse erweitert den Sehbereich bei geringen optischen Kompromissen. Die Multifokallinse bietet die größte Brillenunabhängigkeit, erfordert aber eine höhere Bereitschaft zur neuronalen Anpassung. Die Wahl hängt von Ihren individuellen Sehgewohnheiten und Erwartungen ab.[4]

Welche Linse passt zu Ihrem Alltag?

Die Wahl der richtigen Linse ist keine rein medizinische Entscheidung – sie hängt wesentlich von Ihrem Lebensstil, Ihren Sehgewohnheiten und Ihren Erwartungen ab. Im Beratungsgespräch klären wir gemeinsam Fragen wie:

Wie wichtig ist Ihnen Brillenunabhängigkeit? Wenn Sie es gewohnt sind, eine Lesebrille zu tragen, und damit kein Problem haben, kann eine Monofokallinse die beste Wahl sein. Wenn Sie hingegen möglichst ohne Brille auskommen möchten, kommen EDOF- oder Multifokallinsen in Frage.

Wie viel arbeiten Sie am Bildschirm? Wenn Computerarbeit einen großen Teil Ihres Alltags ausmacht, ist die EDOF-Linse mit ihrer starken Zwischensicht eine besonders gute Wahl. Multifokallinsen decken zwar auch diesen Bereich ab, die EDOF-Linse bietet hier jedoch oft die natürlichere Sehqualität.

Fahren Sie häufig nachts Auto? Wenn Sie regelmäßig bei Dunkelheit fahren, sollten Sie wissen, dass Multifokallinsen in seltenen Fällen Lichtringe (Halos) um Scheinwerfer erzeugen können. EDOF-Linsen sind hier in der Regel unauffälliger.[1] [8]

Haben Sie Begleiterkrankungen am Auge? Bei Makuladegeneration, fortgeschrittenem Glaukom oder anderen Netzhauterkrankungen sind Multifokallinsen in der Regel nicht geeignet, da die Lichtverteilung auf mehrere Brennpunkte die ohnehin eingeschränkte Sehleistung weiter reduzieren kann. In diesen Fällen ist eine Monofokallinse oder – bei geeigneten Patienten – eine EDOF-Linse die bessere Wahl.

Was ist ein Nachstar?

Bei einem Teil der Patienten kann sich Monate oder Jahre nach der Kataraktoperation die hintere Linsenkapsel eintrüben – ein sogenannter Nachstar (posteriore Kapseltrübung). Dies ist keine Komplikation im eigentlichen Sinne, sondern eine natürliche Reaktion des Körpers. Die Behandlung erfolgt ambulant und schmerzfrei mit einem YAG-Laser, der die trübe Kapsel in wenigen Sekunden eröffnet. Das Sehvermögen verbessert sich in der Regel sofort. Ein Nachstar kann bei allen Linsentypen auftreten und hat keinen Einfluss auf die Funktion der Kunstlinse.

Die Add-on-Linse: Nachträgliche Korrektur

Wer bereits eine Monofokallinse erhalten hat und nachträglich eine Brillenunabhängigkeit für die Nähe wünscht, kann von einer sogenannten Add-on-Linse profitieren. Diese zusätzliche Linse wird vor die bestehende Kunstlinse implantiert und ergänzt deren optische Eigenschaften um einen Nahbereich. Der Eingriff ist minimalinvasiv und reversibel. Im MVZ Perfektes Sehen bieten wir diese Option ab ca. 1.800 Euro pro Auge an. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Seite Grauer Star.

Fazit: Die richtige Linse gibt es nur individuell

Monofokal, EDOF und Multifokal – alle drei Linsentypen sind ausgereift, sicher und liefern hervorragende Ergebnisse. Die Monofokallinse ist der bewährte Standard mit exzellenter Fernsicht. Die EDOF-Linse erweitert den Sehbereich bei minimalen optischen Kompromissen. Die Multifokallinse bietet die größte Brillenunabhängigkeit für Patienten, die bereit sind, eine kurze Eingewöhnungsphase in Kauf zu nehmen.

Welche Linse für Sie die richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt von Ihren Augen, Ihrem Lebensstil und Ihren Erwartungen ab. Im MVZ Perfektes Sehen beraten wir Sie ergebnisoffen und nehmen uns die Zeit, gemeinsam mit Ihnen die optimale Lösung zu finden.

Lesen Sie auch unseren Beitrag zur Augenlaserbehandlung, wenn Sie jünger als 50 Jahre sind und eine Korrektur Ihrer Fehlsichtigkeit ohne Linsenaustausch in Betracht ziehen.

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Finden Sie heraus, welche Kunstlinse zu Ihrem Sehprofil passt. Vereinbaren Sie eine unverbindliche Beratung in unserer Praxis in Köln oder Leverkusen.

Quellenverzeichnis

  1. [1] Park ESY et al. Comparative Outcomes of the Next-Generation Extended Depth of Focus IOL. J Clin Med. 2025;14(14):4967. Quelle →
  2. [2] Fernández J et al. Visual and patient-reported outcomes of an enhanced monofocal IOL. Eye. 2025. Quelle →
  3. [3] Yuan J et al. A comparative analysis of visual quality and patient satisfaction: multifocal vs monofocal IOLs. Surv Ophthalmol. 2025;70(3). Quelle →
  4. [4] Srinivasan S et al. Meta-analysis of defocus curves of monofocal, enhanced monofocal, EDOF and multifocal IOLs. BMJ Open Ophthalmol. 2025;10(1):e002025. Quelle →
  5. [5] Corbett D et al. Quality of vision clinical outcomes for a new fully-refractive extended depth of focus IOL. Eye. 2024. Quelle →
  6. [6] Danzinger V et al. Fellow-Eye Comparison of Monocular Visual Outcomes Between Trifocal EDOF and Trifocal IOL. Am J Ophthalmol. 2024;264:240–248. Quelle →
  7. [7] Hovanesian JA et al. Patient-reported outcomes of multifocal and accommodating IOLs: Analysis of 117 patients 5+ years postoperative. Clin Ophthalmol. 2018;12:2297–2304. Quelle →
  8. [8] Chao CC et al. Difference in Quality of Vision Outcome among Extended Depth of Focus, Monofocal, and Multifocal IOLs. J Ophthalmol. 2022;2022:6580394. Quelle →

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die Eignung für einen bestimmten Linsentyp kann nur im Rahmen einer augenärztlichen Voruntersuchung beurteilt werden. Stand: März 2026.