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ICL – Die implantierbare Kontaktlinse: Für wen ist sie besser als Augenlasern?

Nicht jeder ist für das Augenlasern geeignet – zu hohe Dioptrien, zu dünne Hornhaut oder trockene Augen können dagegen sprechen. Die ICL bietet eine Alternative, die das Hornhautgewebe vollständig unangetastet lässt. Dieser Beitrag erklärt, wie die ICL funktioniert und für wen sie die bessere Wahl ist.

7. April 2026 13 Min. Lesezeit MVZ Perfektes Sehen

Das Augenlasern hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten als sichere und wirksame Methode zur Korrektur von Fehlsichtigkeit etabliert. Verfahren wie die Femto-LASIK, TransPRK und ReLEx SMILE erzielen bei über 95 Prozent der Patienten eine Sehschärfe von 1,0 oder besser. Doch nicht jeder ist für eine Laserbehandlung geeignet: Bei sehr hoher Kurzsichtigkeit (über -8 Dioptrien), zu dünner Hornhaut oder bestimmten Hornhauterkrankungen stößt die Laserchirurgie an ihre Grenzen.

Für diese Patienten gibt es eine Alternative, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: die ICL (Implantable Collamer Lens) – eine hauchdünne Kunstlinse, die zusätzlich zur natürlichen Augenlinse ins Auge eingesetzt wird. Anders als beim Augenlasern wird dabei kein Hornhautgewebe abgetragen. Die natürliche Linse bleibt erhalten, die Korrektur ist reversibel.

Dieser Beitrag erklärt, wie die ICL funktioniert, für wen sie geeignet ist, was die Forschung zu Sicherheit und Langzeitergebnissen sagt – und wie sie sich im Vergleich zum Augenlasern einordnet. Dr. Georg Gerten, Ärztlicher Leiter des MVZ Perfektes Sehen, ist zertifizierter ICL-Trainer und verfügt über langjährige Erfahrung mit der Implantation dieser Linsen.

Was ist die ICL?

Die ICL (Implantable Collamer Lens) ist eine phake Intraokularlinse – das bedeutet, sie wird zusätzlich zur natürlichen Augenlinse implantiert, nicht als Ersatz. Die Linse besteht aus Collamer, einem biokompatiblen Material auf Kollagenbasis, das vom Körper nicht als Fremdkörper erkannt wird. Sie wird hinter der Iris (Regenbogenhaut) und vor der natürlichen Linse platziert – in der sogenannten Hinterkammer des Auges.

Die aktuelle Generation – die EVO/EVO+ ICL – verfügt über eine zentrale Öffnung (KS-AquaPORT), die den natürlichen Kammerwasserfluss gewährleistet. Dadurch entfällt die früher notwendige Iridotomie (Loch in der Iris), was den Eingriff vereinfacht und das Komplikationsrisiko weiter reduziert hat.

Der Eingriff dauert etwa 15 bis 20 Minuten pro Auge und erfolgt unter örtlicher Betäubung. Durch einen kleinen Schnitt von etwa 3 Millimetern am Rand der Hornhaut wird die gefaltete Linse eingeführt, wo sie sich hinter der Iris entfaltet und dauerhaft positioniert bleibt. Die meisten Patienten bemerken bereits am Tag nach dem Eingriff eine deutliche Verbesserung ihrer Sehschärfe.

Für wen ist die ICL geeignet?

Die ICL wurde speziell für Patienten entwickelt, die für eine Laserbehandlung nicht oder nur eingeschränkt in Frage kommen. Die häufigsten Indikationen sind:

Hohe Kurzsichtigkeit (über -6 bis -8 Dioptrien): Bei sehr hoher Myopie müsste beim Augenlasern so viel Hornhautgewebe abgetragen werden, dass die verbleibende Reststromadicke nicht mehr ausreichend wäre. Die ICL korrigiert Kurzsichtigkeit bis -18 Dioptrien, ohne die Hornhaut zu berühren.

Dünne Hornhaut: Patienten, deren Hornhaut zu dünn für eine sichere Laserbehandlung ist, können mit der ICL behandelt werden. Da kein Hornhautgewebe abgetragen wird, spielt die Hornhautdicke für die ICL keine Rolle.

Trockene Augen: Das Augenlasern – insbesondere die Femto-LASIK – kann trockene Augen vorübergehend verstärken, da Hornhautnerven durchtrennt werden. Die ICL lässt die Hornhautnerven vollständig intakt und ist daher für Patienten mit vorbestehender Augenoberflächen-Problematik besonders geeignet.

Alter 21 bis 45 Jahre: Die ICL ist für Patienten im Alter von 21 bis etwa 45 Jahren zugelassen. Ab einem Alter von etwa 45 bis 50 Jahren beginnt die natürliche Linse an Flexibilität zu verlieren (Presbyopie), und ein refraktiver Linsenaustausch (RLE) kann die bessere Option sein. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite Alterssichtigkeit.

ICL vs. Augenlasern: Was sagt die Forschung?

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 verglich die Ergebnisse der ICL mit denen der LASIK bei Patienten mit Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung. Das Ergebnis: Beide Verfahren sind in Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit vergleichbar. Bei hoher Kurzsichtigkeit (über -6 Dioptrien) zeigte die ICL jedoch eine höhere Vorhersagbarkeit und bessere optische Qualität.[1]

Eine vergleichende Analyse aus dem Jahr 2024 bestätigt diese Ergebnisse: ICL, LASIK und SMILE erzielen bei moderater Kurzsichtigkeit vergleichbare Ergebnisse. Bei hoher Myopie bietet die ICL jedoch Vorteile bei der optischen Qualität, insbesondere bei Kontrast und Aberrationen höherer Ordnung.[2] [3] Eine Studie zur Sehqualität nach verschiedenen refraktiven Eingriffen kommt zu dem Schluss, dass die ICL bei hoher Kurzsichtigkeit die beste optische Qualität aller verfügbaren Verfahren liefert.[7]

Besonders bemerkenswert ist die Patientenzufriedenheit: In einer Studie berichteten 32 Prozent der Patienten, die ICL-Implantation habe ihr Leben verändert. Kein einziger Patient äußerte Unzufriedenheit.[8] Die FDA-Zulassungsstudie der EVO ICL in den USA zeigt nach drei Jahren eine Zufriedenheitsrate von über 99 Prozent.[5]

ICL und Augenlasern im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Beachten Sie, dass die Angaben Durchschnittswerte darstellen – individuelle Ergebnisse können abweichen.

KriteriumICLAugenlasern (LASIK/SMILE)
PrinzipZusätzliche Linse im AugeHornhautgewebe wird abgetragen
Kurzsichtigkeitbis -18 dptbis -8 bis -10 dpt
Hornhautbleibt unberührtwird verändert
Reversibilitätja (Linse entfernbar)nein (Gewebe abgetragen)
Trockene Augenkein erhöhtes Risikovorübergehend möglich
Optische Qualität (hohe dpt)überlegengut (bei moderaten dpt)
Dünne Hornhautkein Problemeinschränkend
Eingriffsdauerca. 15–20 Min.ca. 10–15 Min.
Erholung1–2 Tage1 Tag (LASIK) bis 1 Woche (TransPRK)
Alter21–45 Jahreab 18 Jahre

Die Tabelle zeigt: Die ICL und das Augenlasern sind keine konkurrierenden Verfahren, sondern ergänzen sich. Für Patienten mit moderater Fehlsichtigkeit und ausreichender Hornhautdicke ist das Augenlasern in der Regel die einfachere und kostengünstigere Lösung. Für Patienten mit hoher Kurzsichtigkeit, dünner Hornhaut oder dem Wunsch nach Reversibilität ist die ICL die überlegene Option.[1] [2]

Langzeitsicherheit: Was wissen wir nach 8+ Jahren?

Eine der häufigsten Fragen von Patienten betrifft die Langzeitsicherheit: Bleibt die Linse dauerhaft im Auge? Kann sie Schäden verursachen? Die Forschungslage ist hier beruhigend.

Eine japanische Langzeitstudie mit acht Jahren Nachbeobachtung zeigt, dass die ICL über den gesamten Zeitraum stabile Ergebnisse liefert: Die Sehschärfe blieb konstant, die Linse verursachte keine klinisch relevanten Veränderungen am Auge, und die Komplikationsrate war sehr niedrig.[4] Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 mit mehr als fünf Jahren Nachbeobachtung bestätigt diese Ergebnisse und identifiziert keine neuen Langzeitrisiken.[6]

Die dreijährige FDA-Zulassungsstudie der EVO ICL in den USA – die strengste regulatorische Prüfung für Medizinprodukte – kommt zu dem Ergebnis, dass die ICL sicher und wirksam ist, mit einer Zufriedenheitsrate von über 99 Prozent.[5] Die häufigsten Bedenken – vorzeitige Kataraktentwicklung und Augeninnendruckerhöhung – traten in den modernen Studien mit der EVO-Generation praktisch nicht auf.

Der Ablauf: Von der Voruntersuchung bis zur Nachsorge

Voruntersuchung: Eine ausführliche Vermessung des Auges bestimmt die exakten Maße der vorderen Augenkammer und die benötigte Linsenstärke. Die Vorderkammertiefe muss mindestens 2,8 Millimeter betragen. Kontaktlinsen sollten mindestens eine Woche (weiche) bzw. zwei Wochen (formstabile) vor der Untersuchung abgesetzt werden.

Der Eingriff: Die Operation erfolgt ambulant unter örtlicher Betäubung (Tropfanästhesie). Durch einen kleinen Schnitt am Hornhautrand wird die gefaltete ICL eingeführt und hinter der Iris positioniert. Der Schnitt ist so klein, dass er sich in der Regel ohne Naht verschließt. Die meisten Patienten empfinden den Eingriff als schmerzfrei.

Nachsorge: Am Tag nach dem Eingriff erfolgt die erste Kontrolle. Die meisten Patienten sehen bereits zu diesem Zeitpunkt deutlich scharf. Antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen werden für einige Wochen verordnet. Regelmäßige Nachkontrollen (nach einer Woche, einem Monat und dann jährlich) stellen sicher, dass die Linse optimal sitzt und das Auge gesund bleibt.

Fazit: ICL oder Augenlasern – eine Frage der Voraussetzungen

Die ICL ist keine Konkurrenz zum Augenlasern, sondern eine wertvolle Ergänzung. Für Patienten mit moderater Fehlsichtigkeit und gesunder Hornhaut bleibt das Augenlasern die bewährte Standardlösung. Für Patienten mit hoher Kurzsichtigkeit, dünner Hornhaut, trockenen Augen oder dem Wunsch nach Reversibilität bietet die ICL eine sichere und wirksame Alternative mit hervorragenden Langzeitergebnissen.

Im MVZ Perfektes Sehen bieten wir sowohl alle gängigen Laserverfahren als auch die ICL-Implantation an. Dr. Georg Gerten ist zertifizierter ICL-Trainer und berät Sie ergebnisoffen, welches Verfahren für Ihre individuelle Situation die beste Lösung ist.

Lesen Sie auch unseren ausführlichen Vergleich der Augenlaser-Verfahren, wenn Sie wissen möchten, welches Laserverfahren für Sie in Frage kommt.

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Quellenverzeichnis

  1. [1] Goes S. Posterior chamber toric implantable collamer lenses vs LASIK for myopia and astigmatism: systematic review. J Cataract Refract Surg. 2022;48(10):1203–1212. Quelle →
  2. [2] Swaminathan U et al. Comparative Analysis of Visual Outcomes and Complications: ICL, LASIK, and SMILE. Cureus. 2024;16(5):e60000. Quelle →
  3. [3] Jiang Z et al. Optical and visual quality comparison of implantable collamer lens and femtosecond laser-assisted LASIK for high myopia correction. Int J Ophthalmol. 2021;14(5):737–745. Quelle →
  4. [4] Kamiya K et al. Eight-Year Outcomes of Implantation of Posterior Chamber Phakic Intraocular Lens With a Central Hole. Front Med. 2021;8:799078. Quelle →
  5. [5] Parkhurst G et al. Three Year Results from the United States FDA Prospective Multicenter Clinical Trial of the EVO/EVO+ Implantable Collamer Lens. J Refract Surg. 2025;41(1):e12–e20. Quelle →
  6. [6] Kim YH et al. Long-term Outcome and Related Risk Factors in Implantable Collamer Lens Implantation. Ophthalmol Ther. 2025;14:1–12. Quelle →
  7. [7] Du H et al. Quality of vision after myopic refractive surgeries: SMILE, FS-LASIK, and ICL. BMC Ophthalmol. 2023;23:293. Quelle →
  8. [8] Ieong A et al. Quality of Life in High Myopia before and after Implantable Collamer Lens Implantation. Ophthalmology. 2010;117(12):2295–2300. Quelle →

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die Eignung für eine ICL-Implantation kann nur im Rahmen einer augenärztlichen Voruntersuchung beurteilt werden. Stand: April 2026.