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Makuladegeneration: Früherkennung, aktuelle Therapien und was Patienten selbst tun können

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderung bei Menschen über 50 Jahren. Dieser Beitrag erklärt die Formen der AMD, aktuelle Therapieoptionen und was Sie selbst für den Erhalt Ihrer Sehkraft tun können.

23. April 2026 14 Min. Lesezeit MVZ Perfektes Sehen

Die Makula – auch „gelber Fleck" genannt – ist der zentrale Bereich der Netzhaut und verantwortlich für das scharfe Sehen. Wenn Sie lesen, Gesichter erkennen oder Auto fahren, arbeitet Ihre Makula auf Hochtouren. Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) gehen die Sinneszellen in diesem Bereich schrittweise zugrunde. Das Ergebnis: Das zentrale Sehfeld wird unscharf, verzerrt oder fällt ganz aus – während das periphere Sehen erhalten bleibt.

Weltweit sind schätzungsweise 196 Millionen Menschen von AMD betroffen, bis 2040 wird diese Zahl auf 288 Millionen ansteigen.[1] In Deutschland ist die AMD die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderung bei Menschen über 50 Jahren. Die gute Nachricht: Durch Früherkennung, moderne Therapien und einen bewussten Lebensstil lässt sich der Verlauf in vielen Fällen verlangsamen oder sogar aufhalten.

Dieser Beitrag erklärt die beiden Formen der AMD, die aktuellen Therapieoptionen und gibt Ihnen konkrete Empfehlungen, was Sie selbst für den Erhalt Ihrer Sehkraft tun können. Alle Angaben basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Studien und der klinischen Erfahrung aus über 25 Jahren augenchirurgischer Tätigkeit im MVZ Perfektes Sehen.

Trockene und feuchte AMD: Zwei Formen, unterschiedliche Verläufe

Die AMD tritt in zwei Formen auf, die sich in ihrem Verlauf und ihren Behandlungsmöglichkeiten grundlegend unterscheiden.

Trockene AMD (ca. 85 % der Fälle): Bei der trockenen Form lagern sich sogenannte Drusen – kleine gelbliche Ablagerungen – unter der Netzhaut ab. Im Laufe der Zeit führen diese Ablagerungen zu einem langsamen Absterben der Sinneszellen (geografische Atrophie). Der Verlauf ist in der Regel schleichend: Viele Patienten bemerken die Erkrankung zunächst nicht, da das andere Auge die Einschränkung kompensiert. Die trockene AMD kann über Jahre stabil bleiben, aber auch in die feuchte Form übergehen.[7]

Feuchte AMD (ca. 15 % der Fälle): Bei der feuchten Form wachsen krankhafte Blutgefäße unter die Netzhaut ein. Diese Gefäße sind undicht und lassen Flüssigkeit oder Blut austreten, was zu einer schnellen Verschlechterung der Sehschärfe führen kann. Typische Symptome sind verzerrtes Sehen (gerade Linien erscheinen wellig) und ein dunkler Fleck im Zentrum des Gesichtsfelds. Die feuchte AMD schreitet unbehandelt rasch voran, ist aber heute gut behandelbar.[8]

Trockene und feuchte AMD im Vergleich

KriteriumTrockene AMDFeuchte AMD
Häufigkeitca. 85 %ca. 15 %
Verlauflangsam, schleichendschnell, akut
UrsacheDrusen, AtrophieKrankhafte Blutgefäße
SymptomeVerschwommenes Sehen, LeseproblemeVerzerrtes Sehen, dunkler Fleck
BehandlungNahrungsergänzung, Photobiomodulation (Studie)Anti-VEGF-Injektionen
PrognoseVerlangsamung möglichStabilisierung/Verbesserung möglich

Früherkennung: Warum regelmäßige Kontrollen entscheidend sind

Die AMD verläuft in den frühen Stadien oft symptomlos. Wenn Patienten eine Verschlechterung bemerken, ist die Erkrankung häufig bereits fortgeschritten. Deshalb empfehlen Augenärzte ab dem 50. Lebensjahr regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – insbesondere bei familiärer Vorbelastung.

OCT (Optische Kohärenztomographie): Die OCT ist heute der Goldstandard in der AMD-Diagnostik. Sie erstellt hochauflösende Querschnittbilder der Netzhaut und kann Veränderungen sichtbar machen, die mit bloßem Auge oder dem Augenspiegel nicht erkennbar sind – darunter Drusen, Flüssigkeitsansammlungen und beginnende Atrophie. Die Untersuchung ist schmerzfrei, berührungslos und dauert wenige Minuten.

Fluoreszenzangiographie: Bei Verdacht auf eine feuchte AMD kann eine Fluoreszenzangiographie durchgeführt werden. Dabei wird ein Farbstoff in die Armvene injiziert, der die Blutgefäße der Netzhaut sichtbar macht. So lassen sich undichte oder krankhafte Gefäße präzise lokalisieren.

Amsler-Gitter Selbsttest: Zwischen den augenärztlichen Kontrollen können Sie mit dem Amsler-Gitter einen einfachen Selbsttest durchführen. Dabei betrachten Sie ein Gittermuster mit einem Auge und achten darauf, ob Linien wellig, verzerrt oder unterbrochen erscheinen. Auf unserer Seite Makuladegeneration finden Sie einen interaktiven Amsler-Gitter-Test.

Therapie der feuchten AMD: Anti-VEGF-Injektionen

Die Behandlung der feuchten AMD hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Vor der Einführung der Anti-VEGF-Therapie führte die feuchte AMD in den meisten Fällen zu einem schweren Sehverlust. Heute kann die Erkrankung in vielen Fällen stabilisiert oder sogar verbessert werden.

Anti-VEGF-Medikamente (VEGF = Vascular Endothelial Growth Factor) hemmen den Wachstumsfaktor, der für das Einsprossen krankhafter Blutgefäße verantwortlich ist. Die Medikamente werden direkt in den Glaskörper des Auges injiziert – eine sogenannte intravitreale operative Medikamentengabe (IVOM). Der Eingriff erfolgt unter sterilen Bedingungen, ist dank örtlicher Betäubung nahezu schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.

Die bahnbrechende MARINA-Studie zeigte bereits 2006, dass Ranibizumab (Lucentis) den Sehverlust bei 95 Prozent der Patienten stoppen und bei einem Drittel die Sehschärfe sogar verbessern konnte.[8] Seitdem wurden weitere Wirkstoffe entwickelt:

Aflibercept (Eylea): Ein breit eingesetzter Anti-VEGF-Wirkstoff mit nachgewiesener Langzeitwirksamkeit. Langzeitstudien zeigen stabile Ergebnisse über mehrere Jahre.[2]

Faricimab (Vabysmo): Der neueste zugelassene Wirkstoff hemmt nicht nur VEGF, sondern auch Angiopoietin-2 – einen zweiten Faktor, der an der Gefäßinstabilität beteiligt ist. Der entscheidende Vorteil: Faricimab ermöglicht bei vielen Patienten Behandlungsintervalle von bis zu 16 Wochen, was die Belastung durch häufige Arztbesuche deutlich reduziert.[3]

Im MVZ Perfektes Sehen setzen wir alle zugelassenen Anti-VEGF-Wirkstoffe ein und passen das Behandlungsschema individuell an den Verlauf an. Ziel ist es, mit möglichst wenigen Injektionen ein möglichst stabiles Ergebnis zu erreichen.

Therapie der trockenen AMD: Neue Ansätze in der Forschung

Für die trockene AMD gibt es bislang keine zugelassene Therapie, die den Verlauf aufhalten kann. Die AREDS2-Studie hat jedoch gezeigt, dass eine gezielte Nahrungsergänzung mit Lutein, Zeaxanthin, Vitamin C, Vitamin E, Zink und Kupfer das Risiko eines Fortschreitens von der mittleren zur fortgeschrittenen AMD um etwa 25 Prozent senken kann.[4]

Ein vielversprechender neuer Ansatz ist die Photobiomodulation (PBM) – eine Lichttherapie, bei der die Netzhaut mit definiertem Licht bestimmter Wellenlängen bestrahlt wird. Die LIGHTSITE-III-Studie zeigte eine signifikante Verbesserung der Sehschärfe bei Patienten mit trockener AMD im Vergleich zur Kontrollgruppe.[5]

Das MVZ Perfektes Sehen ist eines der Studienzentren der BMBF-geförderten MACULIGHT-Studie, die die Wirksamkeit der Photobiomodulation als Heimtherapie bei trockener AMD untersucht. Die Studie nutzt das CIROMED-Gerät, das Patienten zu Hause anwenden können – dreimal pro Woche für jeweils drei Minuten. Mehr über die Studie erfahren Sie in unserem Beitrag zur MACULIGHT-Studie.

Was Sie selbst tun können: Prävention und Lebensstil

Auch wenn die AMD eine altersbedingte Erkrankung ist, gibt es Faktoren, die das Risiko und den Verlauf beeinflussen. Wissenschaftliche Studien haben mehrere Schutzfaktoren identifiziert:

Ernährung: Eine Ernährung, die reich an dunkelgrünem Blattgemüse (Spinat, Grünkohl), Fisch und Nüssen ist, liefert die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin, die sich in der Makula anreichern und als natürlicher Schutzfilter wirken. Die AREDS2-Studie bestätigt den schützenden Effekt dieser Nährstoffe.[4] [6]

Rauchstopp: Rauchen ist der stärkste beeinflussbare Risikofaktor für AMD. Raucher haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an AMD zu erkranken. Ein Rauchstopp senkt das Risiko nachweislich – auch wenn er erst im höheren Alter erfolgt.

UV-Schutz: Chronische UV-Exposition kann die Netzhaut schädigen. Eine hochwertige Sonnenbrille mit UV-400-Schutz ist insbesondere bei starker Sonneneinstrahlung empfehlenswert.

Regelmäßige Vorsorge: Ab dem 50. Lebensjahr empfehlen wir eine jährliche Netzhautuntersuchung mit OCT – insbesondere bei familiärer Vorbelastung. Je früher Veränderungen erkannt werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Amsler-Gitter Selbsttest: Testen Sie regelmäßig Ihre Sehschärfe mit dem Amsler-Gitter. Wenn gerade Linien plötzlich wellig oder verzerrt erscheinen, sollten Sie zeitnah einen Augenarzt aufsuchen. Nutzen Sie unseren interaktiven Amsler-Gitter-Test.

Wann sollten Sie zum Augenarzt?

Suchen Sie zeitnah einen Augenarzt auf, wenn Sie eines oder mehrere der folgenden Symptome bemerken:

Gerade Linien erscheinen wellig oder verzerrt (z. B. Türrahmen, Fliesenfugen). Ein dunkler oder verschwommener Fleck erscheint im Zentrum Ihres Gesichtsfelds. Farben wirken blasser als gewohnt. Das Lesen wird trotz Brille zunehmend schwieriger. Sie haben Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen.

Insbesondere bei plötzlich auftretenden Verzerrungen ist schnelles Handeln wichtig, da dies auf einen Übergang von der trockenen in die feuchte Form hindeuten kann. Eine frühzeitige Anti-VEGF-Therapie kann in diesen Fällen den Sehverlust begrenzen oder sogar rückgängig machen.

Fazit: Früherkennung und moderne Therapien machen den Unterschied

Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine ernste Erkrankung, aber keine ausweglose Diagnose. Die feuchte AMD lässt sich heute mit Anti-VEGF-Injektionen wirksam behandeln. Für die trockene AMD gibt es mit der AREDS2-Nahrungsergänzung und der Photobiomodulation vielversprechende Ansätze. Und durch regelmäßige Vorsorge, einen gesunden Lebensstil und den Amsler-Gitter-Selbsttest können Sie selbst einen wichtigen Beitrag zum Erhalt Ihrer Sehkraft leisten.

Im MVZ Perfektes Sehen verfügen wir über die modernste Diagnostik (OCT, Fluoreszenzangiographie) und bieten alle zugelassenen Anti-VEGF-Therapien an. Als Studienzentrum der BMBF-geförderten MACULIGHT-Studie sind wir zudem an der Erforschung neuer Therapieansätze für die trockene AMD beteiligt. Wenn Sie Fragen zur Makuladegeneration haben oder eine Vorsorgeuntersuchung wünschen, sprechen Sie uns an.

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Quellenverzeichnis

  1. [1] Wong WL et al. Global prevalence of age-related macular degeneration and disease burden projection for 2020 and 2040. Lancet Glob Health. 2014;2(2):e106–e116. Quelle →
  2. [2] Heier JS et al. Intravitreal Aflibercept for Diabetic Macular Edema: 148-Week Results from the VISTA and VIVID Studies. Ophthalmology. 2016;123(11):2376–2385. Quelle →
  3. [3] Wykoff CC et al. Efficacy, durability, and safety of intravitreal faricimab with extended dosing up to every 16 weeks in neovascular age-related macular degeneration (TENAYA and LUCERNE). Ophthalmology. 2024;131(1):71–83. Quelle →
  4. [4] Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group. Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: the AREDS2 randomized clinical trial. JAMA. 2013;309(19):2005–2015. Quelle →
  5. [5] Markowitz SN et al. A Double-Masked, Randomized, Sham-Controlled, Single-Center Study with Photobiomodulation for the Treatment of Dry Age-Related Macular Degeneration (LIGHTSITE III). Retina. 2023;43(7):1247–1254. Quelle →
  6. [6] Seddon JM et al. Dietary carotenoids, vitamins A, C, and E, and advanced age-related macular degeneration. JAMA. 1994;272(18):1413–1420. Quelle →
  7. [7] Fleckenstein M et al. The Progression of Geographic Atrophy Secondary to Age-Related Macular Degeneration. Ophthalmology. 2018;125(3):369–390. Quelle →
  8. [8] Rosenfeld PJ et al. Ranibizumab for Neovascular Age-Related Macular Degeneration. N Engl J Med. 2006;355(14):1419–1431. Quelle →

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die Diagnose und Behandlung der Makuladegeneration erfordert eine augenärztliche Untersuchung. Stand: April 2026.