
Entgegenkommende Scheinwerfer blenden plötzlich stärker als früher, Straßenschilder verschwimmen im Gegenlicht, und das Fahren bei Regen wird zur Belastungsprobe. Was viele Betroffene auf Müdigkeit oder das Alter schieben, ist oft das erste Anzeichen eines Grauen Stars. Dieser Artikel erklärt, warum gerade das Autofahren bei Dunkelheit die Linsentrübung so früh sichtbar macht, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Warum die Blendung beim Nachtfahren ein Warnsignal ist
Der Graue Star (medizinisch Katarakt) entwickelt sich schleichend. Die natürliche Augenlinse trübt über Jahre ein, ohne dass Betroffene es im Alltag sofort bemerken. Tagsüber reicht das Umgebungslicht oft noch aus, um trotz beginnender Trübung scharf zu sehen. Erst bei Dunkelheit zeigt sich das Problem, denn dann weitet sich die Pupille, um mehr Licht aufzunehmen. Dadurch fällt das Licht durch einen größeren Bereich der Linse, und selbst geringe Trübungen streuen es unkontrolliert auf die Netzhaut.[1]
Das Ergebnis ist ein diffuser Lichtschleier, der sich über das Sichtfeld legt. Entgegenkommende Scheinwerfer erzeugen breite Lichtkränze (sogenannte Halos) und blenden deutlich stärker als gewohnt. Straßenmarkierungen und unbeleuchtete Hindernisse verlieren an Kontrast. Eine Studie der Universität Amsterdam zeigte, dass frühe Katarakte den Kontrast auf der Netzhaut um das Dreifache reduzieren können, obwohl die gemessene Sehschärfe beim Augenarzt noch völlig unauffällig ist.[1]
Genau das macht die Blendung beim Nachtfahren so tückisch. Der Sehtest beim Optiker oder Augenarzt findet unter guten Lichtbedingungen statt und erfasst die Sehschärfe. Die Blendempfindlichkeit und das Kontrastsehen bei Dunkelheit werden dabei in der Regel nicht geprüft. Betroffene haben also einen normalen Visus, merken aber trotzdem, dass das Fahren bei Nacht zunehmend anstrengend wird.[2]
Wie häufig ist der Graue Star?
Der Graue Star ist keine seltene Erkrankung. In Deutschland sind nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) fast zehn Millionen Menschen betroffen. Im Alter zwischen 52 und 64 Jahren weist bereits die Hälfte der Bevölkerung eine Linsentrübung auf, oft ohne es zu wissen.[3] Ab dem 70. Lebensjahr steigt die Häufigkeit auf rund zwei Drittel.[4] In über 90 Prozent der Fälle handelt es sich um eine altersbedingte Veränderung des Linsenstoffwechsels.[2]
Die Katarakt-Operation ist der häufigste chirurgische Eingriff in Deutschland. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) schätzt, dass im Jahr 2024 knapp eine Million Operationen durchgeführt wurden.[5] Der Eingriff gilt als sicher und wird in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung vorgenommen.
Welche Symptome treten beim Autofahren auf?
Die Blendung durch entgegenkommende Scheinwerfer ist zwar das häufigste Frühsymptom, aber nicht das einzige. Beim Autofahren bei Dunkelheit oder in der Dämmerung können folgende Veränderungen auftreten.
Verstärkte Blendung durch Gegenverkehr. Scheinwerfer erzeugen einen breiten Lichtkranz statt eines klar begrenzten Lichtpunkts. Die Blendung hält länger an als früher, und die Augen brauchen mehr Zeit, um sich danach wieder an die Dunkelheit anzupassen.
Lichtkränze und Halos. Um Straßenlaternen, Ampeln und Scheinwerfer erscheinen farbige Ringe oder ein diffuser Lichthof. Dieses Phänomen entsteht durch die Lichtstreuung in der getrübten Linse.[6]
Vermindertes Kontrastsehen. Unbeleuchtete Hindernisse, Fußgänger in dunkler Kleidung oder Fahrbahnmarkierungen sind schwerer zu erkennen. Die Fähigkeit, feine Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen, nimmt ab, obwohl die Sehschärfe tagsüber noch gut ist.[1]
Schwierigkeiten bei Regen und Nässe. Nasse Fahrbahnen reflektieren Licht und verstärken die Blendwirkung zusätzlich. Für Augen mit beginnender Katarakt wird diese Situation besonders belastend.
Unsicherheit bei der Entfernungseinschätzung. Durch den verminderten Kontrast fällt es schwerer, Abstände zu anderen Fahrzeugen richtig einzuschätzen.
Warum der normale Sehtest die Blendung nicht erkennt
Der Sehtest, den Fahrerlaubnisbewerber beim Optiker ablegen, prüft ausschließlich die Sehschärfe unter guten Lichtbedingungen. Die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) schreibt für den Pkw-Führerschein keine Untersuchung des Dämmerungssehens, des Kontrastsehens oder der Blendempfindlichkeit vor.[2] Erst wenn der Sehtest nicht bestanden wird, folgt eine augenärztliche Untersuchung, die auch diese Parameter erfasst.
Das bedeutet in der Praxis, dass ein beginnender Grauer Star bei der Routinekontrolle unentdeckt bleiben kann. Die Forschung zeigt, dass frühe Katarakte die Sehschärfe und das Kontrastsehen unter Tageslichtbedingungen nicht beeinträchtigen, die Blendempfindlichkeit aber bereits deutlich erhöht ist.[1] [7] Genau deshalb ist das subjektive Empfinden beim Nachtfahren ein wichtiger Hinweis, den Betroffene ernst nehmen sollten.
Wann sollte man zum Augenarzt gehen?
Ein Arztbesuch ist sinnvoll, wenn das Autofahren bei Dunkelheit spürbar anstrengender geworden ist. Auch wenn die Veränderung schleichend kommt und im Alltag kaum auffällt, sollten folgende Situationen Anlass für eine augenärztliche Untersuchung sein.
Entgegenkommende Scheinwerfer blenden deutlich stärker als noch vor ein oder zwei Jahren. Nachtfahrten werden bewusst vermieden, weil sie als unangenehm empfunden werden. Straßenschilder sind bei Dunkelheit schlechter zu lesen als bei Tageslicht. Um Lichtquellen erscheinen Lichtkränze, die früher nicht da waren.
Der Augenarzt kann mit einer Spaltlampenuntersuchung feststellen, ob eine Linsentrübung vorliegt, und deren Ausmaß beurteilen. Zusätzlich lassen sich Kontrastsehen und Blendempfindlichkeit gezielt messen.[8]
Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt ab dem 40. Lebensjahr regelmäßige Augenkontrollen, auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Ab 60 Jahren sollte die Kontrolle jährlich erfolgen.[3]
Grauer Star und Verkehrssicherheit
Die Auswirkungen einer unbehandelten Katarakt auf die Fahrsicherheit sind gut untersucht. Eine Studie aus dem British Journal of Ophthalmology ergab, dass Fahrer mit Katarakt ein 2,5-fach erhöhtes Unfallrisiko haben.[9] Eine spanische Forschungsgruppe zeigte 2020, dass die intraokulare Lichtstreuung bei Katarakt-Fahrern zu einem dreifach erhöhten visuellen Störungsindex führt.[10]
Rechtlich sind Fahrzeugführer in Deutschland verpflichtet, ihre Fahreignung selbst sicherzustellen. Wer trotz bekannter Seheinschränkung fährt und einen Unfall verursacht, riskiert strafrechtliche Konsequenzen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung kann Regressansprüche stellen, und die Kaskoversicherung kann Leistungen kürzen.[2]
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) wies 2018 in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das Unfallrisiko nach einer Katarakt-Operation signifikant sinkt.[11] Die Operation verbessert nicht nur die Sehschärfe, sondern reduziert auch die Blendempfindlichkeit und stellt das Kontrastsehen wieder her.
Wie wird der Graue Star behandelt?
Die einzige wirksame Behandlung des Grauen Stars ist die operative Entfernung der getrübten Linse und der Ersatz durch eine Kunstlinse (Intraokularlinse). Medikamente oder Augentropfen können die Trübung nicht rückgängig machen.[5]
Der Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten und wird in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei wird die trübe Linse per Ultraschall zerkleinert und abgesaugt (Phakoemulsifikation). Anschließend wird eine Kunstlinse eingesetzt, die ein Leben lang hält.[5]
Etwa 9 von 10 Patienten sehen nach der Operation besser als vorher.[5] Die Verbesserung betrifft nicht nur die Sehschärfe, sondern auch das Kontrastsehen und die Blendempfindlichkeit. Viele Patienten berichten, dass das Autofahren bei Nacht nach der Operation wieder problemlos möglich ist.
Wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation ist, hängt davon ab, wie stark die Seheinschränkung den Alltag beeinträchtigt. Eine beginnende Linsentrübung allein ist noch kein Grund für einen Eingriff. Die Entscheidung wird gemeinsam mit dem Augenarzt getroffen.[5]
Im MVZ Perfektes-Sehen Dr. Gerten & Kollegen stehen neben der Standard-Monofokallinse auch Premiumlinsen zur Verfügung, die zusätzlich eine Hornhautverkrümmung korrigieren (torische Linsen) oder das Sehen in mehreren Entfernungen ermöglichen (Multifokal- und EDOF-Linsen). Welche Linse für den einzelnen Patienten geeignet ist, klärt die Voruntersuchung.
Tipps für sichereres Fahren bei Nacht
Bis zur Behandlung oder bei einer noch nicht operationsbedürftigen Katarakt können einige Maßnahmen das Fahren bei Dunkelheit erleichtern.
Windschutzscheibe und Scheinwerfer sauber halten. Verschmutzte Scheiben und Scheinwerfergläser verstärken die Lichtstreuung erheblich. Eine saubere Frontscheibe reduziert die Blendwirkung spürbar.
Entspiegelte Brillengläser verwenden. Wer eine Brille trägt, sollte auf eine hochwertige Entspiegelung achten. Reflexionen auf den Gläsern verstärken die Blendung zusätzlich.
Blick nicht direkt in entgegenkommende Scheinwerfer richten. Den Blick leicht nach rechts auf den Fahrbahnrand lenken, um die direkte Blendung zu vermeiden.
Geschwindigkeit anpassen. Bei eingeschränktem Kontrastsehen verlängert sich der Bremsweg effektiv, weil Hindernisse später erkannt werden. Eine angepasste Geschwindigkeit schafft Sicherheitsreserven.
Nachtfahrten bei starkem Gegenverkehr vermeiden. Wenn die Blendung bereits stark belastet, ist es keine Schwäche, Nachtfahrten auf stark befahrenen Strecken zu meiden und stattdessen einen Termin beim Augenarzt zu vereinbaren.
Blendempfindlichkeit abklären lassen
Ob hinter der Blendung eine beginnende Linsentrübung steckt, klärt die Untersuchung im MVZ Perfektes-Sehen Dr. Gerten & Kollegen. Sie finden uns in der Kölner Innenstadt (Habsburgerring 3), in Köln-Kalk und in Leverkusen. Telefonisch erreichen Sie uns unter 0221/235262.
Häufige Fragen
Ja. Eine erhöhte Blendempfindlichkeit kann auch durch trockene Augen, eine Hornhauterkrankung oder nach einer Augenlaseroperation auftreten. Auch eine falsch angepasste Brille oder verschmutzte Brillengläser können die Blendung verstärken. Der Augenarzt kann die Ursache durch eine gezielte Untersuchung klären.
Der altersbedingte Graue Star entwickelt sich meist ab dem 50. bis 60. Lebensjahr. Im Alter zwischen 52 und 64 Jahren weist bereits die Hälfte der Bevölkerung eine Linsentrübung auf, häufig ohne Symptome. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt ab dem 40. Lebensjahr regelmäßige Augenkontrollen.
Nein. Die Entscheidung für eine Operation richtet sich danach, wie stark die Seheinschränkung den Alltag beeinträchtigt. Eine beginnende Linsentrübung ohne spürbare Beschwerden wird zunächst beobachtet. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind in dieser Phase wichtig, um den Verlauf zu verfolgen.
Ja. Die Katarakt-Operation mit einer Standard-Monofokallinse ist eine gesetzliche Kassenleistung. Wer sich für eine Premiumlinse entscheidet (z. B. eine Multifokal- oder torische Linse), trägt die Mehrkosten selbst.
Solange die gesetzlichen Anforderungen an das Sehvermögen erfüllt sind, ist das Autofahren erlaubt. Fahrzeugführer sind jedoch verpflichtet, ihre Fahreignung selbst einzuschätzen. Wenn das Fahren bei Dunkelheit durch Blendung oder eingeschränktes Kontrastsehen unsicher wird, sollte eine augenärztliche Untersuchung erfolgen.
Die meisten Alltagstätigkeiten sind nach wenigen Tagen wieder möglich. Autofahren ist in der Regel nach einigen Wochen wieder erlaubt, sobald der Augenarzt die ausreichende Sehleistung bestätigt hat. Die endgültige Sehschärfe stellt sich oft erst nach einigen Wochen ein.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die Eignung für eine Behandlung kann nur im Rahmen einer augenärztlichen Untersuchung beurteilt werden. Stand: Oktober 2026.
Quellen
- [1]van den Berg TJTP et al. „Disability Glare in the Aging Eye. Assessment and Impact on Driving.“ Journal of Optometry 2009;2(3):112-118.
- [2]ADAC. „Grauer Star: Wann eine OP empfohlen wird und was beim Autofahren zu beachten ist.“ Stand: 03.02.2026.
- [3]Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Statistiken Katarakt (Grauer Star).
- [4]Prokofyeva E, Wegener A, Zrenner E. „Cataract prevalence and prevention in Europe: a literature review.“ Acta Ophthalmologica 2013;91(5):395-405.
- [5]Gesundheitsinformation.de (IQWiG). „Operation des Grauen Stars.“ Stand: Januar 2026.
- [6]Cleveland Clinic. „Cataracts: What They Are, Symptoms, Types & Treatment.“ Stand: Juni 2026.
- [7]Adamsons IA et al. „The association of postoperative subjective visual function with acuity, glare, and contrast sensitivity in patients with early cataract.“ Archives of Ophthalmology 1996;114(5):529-536.
- [8]Gerste RD. „Symptome und Diagnose.“ In: Der Graue Star. Patientenratgeber zur Katarakt. Springer 2024.
- [9]Wood JM et al. „Bilateral cataract surgery and driving performance.“ British Journal of Ophthalmology 2006;90(10):1277-1280.
- [10]Ortiz-Peregrina S et al. „Intraocular scattering as a predictor of driving performance in older adults with cataracts.“ PLoS ONE 2020;15(1):e0227892.
- [11]Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Pressemitteilung: „Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation.“ Juli 2018.
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Dieser Beitrag entstand im MVZ Perfektes-Sehen unter der ärztlichen Leitung von Dr. med. Georg Gerten, FOCUS Top-Mediziner seit 2012. Zum Ärzteprofil
Zuletzt fachlich geprüft: August 2026

